FC Kalbach – Concordia (1:2) 2:3

Kreisoberliga Frankfurt
Sonntag, 22. September 2019

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Von Martin Gutmann

In der Ilias beschreibt Homer unter anderem die Belagerung Trojas, aufgeteilt in “Gesänge” und häufig dargestellt durch drastisch beschriebene Zweikämpfe zwischen Helden (und auch Göttern). Paris stahl Menelaus Frau Helena, was natürlich nicht ungesühnt bleiben kann. Die Achaier (Griechen, um Agammenon, Achilleus und Odysseus) belagern zum Zeitpunkt der Schilderungen Troja bereits sieben Jahre. „Geraubt“ hat Kalbach unsere Spieler, heroische Zweikämpfe führten wir en masse, und die Nachspielzeit dauerte locker sieben Jahre:

Die nur 50 Zuschauer (davon 32 Concorden) sahen eine aufopferungsvoll kämpfende Concordiamannschaft und ein insgesamt überdurchschnittlich flottes KOL-Spiel. Von Beginn an war unser Team zumindest knapp auf Augenhöhe, Adi Mohr traf lauthallend mit unserem ersten Angriff die Latte, Dragan Budimir setzte den Nachschuss artistisch und doch denkbar knapp über das Tor. Die spielerisch leicht überlegenen Gastgeber fanden einfach kein Rezept gegen unser zweikampfstarkes Mittelfeld um Josch Stein, der (endlich) sein erstes Saisonspiel machte. Benni Tesar und Richard “Richi” Sieber ließen kaum gefährliche Zuspiele an den Strafraum zu und wenn, dann waren unsere Innenverteidiger Kenan Kovacevic und Max Weymann unüberwindbar. Unsere Außen (Torben Schönle und Adi Mohr) hatten Ihre Gegenspieler weitestgehend im Griff und so sahen die mitgereisten Edelfans um Concordias Fußballgott Yuriy Dutchak eine immer selbstbewusster auftretende Auswärtsmannschaft. Adi Mohr inszenierte in der zwanzigsten Minute einen blitzsauberen Angriff über seine Außenbahn und schickte Edin Zekan. Dieser ließ dem Ex-Concorden Alex Azimpour keine Chance, drang in den Strafraum ein und passte quer auf Sturmtank Budimir, der sicher aus fünf Metern einschob. Kaum sechs Minuten später war es erneut Edin Zekan, der seine tolle Leistung krönte, erneut seinen Gegenspieler stehen ließ und von der Strafraumgrenze flach zum 2:0 ins kurze Eck traf (26.). Kalbach antwortete mit wütenden Angriffen über die Außen, doch bis auf zwei gefährliche Flanken und einen stark getretenen Freistoß von Ricardo Harrabi (noch ein ehemaliger Concorde) drohte nur wenig Gefahr durch die Heimmannschaft. Just beim Feststellen dieser Tatsache, nach eigenem Eckball, liefen wir in einen Konter und es stand nur noch 1:2 durch Soufiane Moussaoui. Zur Halbzeit herrschte vorsichtiger Optimismus, doch war auch allen Unterstützern der hohe kämpferische und läuferische Aufwand nicht entgangen. In der Ilias gibt es auf trojanischer Seite die tragische Figur der Kassandra, deren Wahrsagungen stets eintreffen, aber der nie geglaubt wird. Kassandrische Concorden sagten einen Sieg voraus, geglaubt wurde höchstens an ein Unentschieden.

Es waren bereits 15 Minuten gespielt in der zweiten Halbzeit, als Kalbach zu seiner ersten Chance kam – ein Weitschuss konnte vom sicheren Kress entschärft werden. In der folgenden Wechselphase (Stein, Tesar und Budimir mussten Ihrem hohen Tempo Tribut zollen) verstärkte Kalbach den Druck ohne sich weiter größere Chancen zu erspielen. Die eingewechselten Joris Plöns, Metin Cosgun und Simon Kramer fügten sich nahtlos in die tolle Mannschaftsleistung ein, Saba Kvaratskhelia konnte immer wieder entscheidend Bälle festmachen und war oft nur durch Fouls zu stoppen. Bis zur 80. Minute konnte man schon leise auf einen Auswärtserfolg beim Aufstiegsanwärter hoffen, doch Harrabi mit einem seiner starken Freistöße fand Achraf Gara Ali, der per Kopf zum Ausgleich vollendete (80.). Wer jetzt auf eine auf Sieg spielend Heimelf wettete, verlor alles. Die Concordia schüttelte sich kurz, Trainer Roland Stipp brachte Josch Stein in den Sturm zurück und Kalbach verlor jegliche Balance. Durch die unermüdlich anlaufenden Stein und Kramer massiv im Aufbau gestört, unterliefen den Kalbacher Abwehrspielern ein Fehler nach dem anderen. Immer wieder kamen wir gefährlich vor das Tor, angefeuert von mittlerweile begeistert mitgehenden Concordiafans. Kovecevic, der einfach ein Näschen für solche Situationen zu haben scheint, gewann schließlich, als Innenverteidiger weit in des Gegners Hälfte aufgerückt, in seiner robusten Art einen Zweikampf, passte perfekt auf den früh startenden Stein, der seinen Gegenspieler stehen ließ und flach in die Mitte passte. Dort setzte sich Simon Kramer gegen den Torhüter und zwei Abwehrspieler durch und traf aus wenigen Metern zum vielumjubelten Siegtreffer (89.). Roland Stipp verbat sich eine Auszeichnung eines einzelnen Spielers: “Ich bin stolz auf die Jungs und jeder hat sich einen Punkt in der Heinz Blüm-Ehrenpreiswertung verdient.” Gratulation also an alle. Und wie zu Ende der Ilias, als nach zwölf Tagen der Schändung Achilleus endlich Hektors Leichnam seinem Vater Priamos zur Bestattung überlässt, kann die Concordia ganz ohne Ärger und mit einem so stark ersehnten Auswärtssieg nach Hause fahren. Und das muss für heute reichen…

FSV Bergen – Concordia II 3:5 (1:4)
Keisliga Frankfurt, Gruppe zwei

Punktspiele in Bergen waren traditionell heiß umkämpft. Doch das liegt schon lange zurück. Unsere Zweitvertretung mit vier Jungs aus der letztjährigen A-Jugend gibt auf dem Kunstrasen, der längst den Hartplatz abgelöst hat, ihre Visitenkarte ab und gewinnt in einem durchschnittlichen A-Liga-Spiel die drei Punkte. Die Basis für den Sieg war die Chancenverwertung vor der Pause. Louis Haarhaus (16.), Bene Borchert (19.), Badr Kharbouch (38.) und Erik Eichler (39.) sorgten für die komfortable Führung. Im zweiten Durchgang hingegen klappte der Abschluss nicht mehr. Pech hatte Eichler mit dem schönsten Schuss des Tages – an die Latte. Und wie das so ist, kam der FSV in der 81. und 85. Minute auf 3:4 heran. Das Spiel drohte noch zu kippen, doch Schlussmann Conrad Hilbrig verhinderte mit einer starken Parade den Ausgleich in der 90. Minute. Großes Aufatmen für das Team von Trainer Pascale König dann in der dritten Minute der Nachspielzeit, als „Henry“ Arthur Wolf das erlösende 5:3 gelang. rw

Concordia II: Hilbrig, Kracke (75. Weldai), Schierle, Mettlach, Stölze, Kharbouch (56. Wolf), Schestag, Haarhaus, De Oliveira (46. Grötzki), Borchert, Eichler. Bank: Wieczorek, Do O, Evans.